Rezension zum Album

Autor: Rifforge

Veröffentlichungsdatum: 27.12.2024 07:36

Aufrufe: 397

«Swallow the Sun - When a Shadow Is Forced into the Light»

🇫🇮 Finland • Melodic Doom Death Metal
Anhören in TELEGRAM 8 Tracks
Das Album «When A Shadow Is Forced Into The Light» von Swallow The Sun ist ein Werk, das man nicht ohne seinen Kontext betrachten kann. Seit dem tragischen Verlust seiner Partnerin und kreativen Weggefährtin Aleah Stanbridge im Jahr 2016 vertiefte sich der Bandgründer Juha Raivio in den Prozess des Musikschaffens als Möglichkeit, die Trauer zu bewältigen. Dieses Album wurde zu einer Fortsetzung seiner Arbeit in anderen Projekten wie Hallatar und trägt deutlich den Abdruck eines persönlichen Verlustes. Der Titelsong verweist ebenso wie die Albumkonzeption selbst auf die Lyrik von Stanbridge, während die Musik Elemente des Gothic-Post-Metal mit leichten Dosen Doom-Death verbindet.

Veränderung des Sounds und neues musikalisches Konzept

Musikalisch wurde When A Shadow Is Forced Into The Light zum sanftesten und melancholischsten Album in der Diskografie der Band. Vom für Swallow The Sun typischen dunklen und düsteren Doom Metal bewegte sich das Album hin zu zurückhaltenderen und atmosphärischeren Klängen. Das ist nicht einfach ein Übergang von einem Genre zu einem anderen, sondern beinahe ein vollständiger Wechsel des musikalischen Konzepts. Es bietet mehr Raum für klaren Gesang, während schwere Gitarrenriffs weniger stark im Vordergrund stehen. Es ist ein Album, in dem die Musik nicht so sehr schwer klingt, sondern vielmehr kalt und distanziert, wodurch eine Atmosphäre der Einsamkeit und Reflexion entsteht.

Emotionale Ausdruckskraft und Arbeit der Musiker

Doch trotz all seiner Distanziertheit und Melancholie vermittelt das Album gekonnt Emotionen, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Der Gesang von Mikko Kotamäki zeigt eine außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit: von klarem Gesang bis hin zu kehligen Schreien und tiefen, beinahe zermalmenden Growls, die den Songs die nötige Intensität verleihen. Die Gitarristen Juha Raivio und Juho Räihä schaffen melodische, aber zurückhaltende Gitarrenlinien, die Elemente der Gothic-Musik und des Neo-Dead einbringen, ohne dabei überladen zu wirken.

Schlüsselkompositionen des Albums

Der Eröffnungssong When A Shadow Is Forced Into The Light beginnt das Album mit einer ambitionierten, leicht symphonischen Atmosphäre, die allmählich in ein Wechselspiel aus klarem Gesang und Growls übergeht. Trotz interessanter dynamischer Veränderungen wirkt die Komposition jedoch etwas in die Länge gezogen, und nicht alle ihre Ideen werden ausreichend vollständig entfaltet.

Die folgende Komposition «The Crimson Crown» ist eine wahre Perle des Albums. Sie verbindet sanften Rock im Geiste von Anathema mit Melodien und einer Atmosphäre, wie man sie von Alcest und der Gothic-Musik der 80er kennt, und erschafft dadurch ein emotional reiches und musikalisch raffiniertes Werk. Dieser Track vermittelt ideal die Balance zwischen hellen und dunklen Nuancen der Musik und hinterlässt bei den Hörern einen starken Eindruck.

Entwicklung zum Finale und Stärken des Abschlusses

Trotz einiger mittelmäßiger und leicht ausgedehnter Tracks gewinnt das Album zum Finale hin an Kraft. Songs wie «Stone Wings» und «Clouds on Your Side» zeigen eine gelungene Verbindung von gothischer Atmosphäre und Doom-Death. Die abschließende Komposition «Never Left» beendet das Album, indem sie Schwere und Leichtigkeit miteinander vermischt und zugleich Hoffnung und Trauer entstehen lässt.

Abschließende Bewertung

Insgesamt ist When A Shadow Is Forced Into The Light ein Album, das sich dem Hörer nicht sofort erschließt. Es verlangt Zeit für eine vollständige Wahrnehmung, und obwohl nicht alle Momente ihr emotionales Ziel erreichen, ist das Ergebnis, wenn es gelingt, unglaublich berührend und tiefgründig. Dieses Album ist ein persönliches Werk von Juha Raivio, in dem sich der Schmerz des Verlustes, die Suche nach Frieden und der Versuch, Licht zu finden, in dunklen Zeiten verbinden. Trotz seiner Sanftheit und Melancholie kann es zum «realsten» und aufrichtigsten Album von Swallow The Sun werden, das die Hörer nicht nur mit musikalischen Entdeckungen, sondern auch mit Emotionen bereichert, die sie mit dem Autor teilen können.
Bewertung: 8/10
Danke: -